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MELiSSE-Team, Dresden

Menschen mit Behinderung sind sexuelle Wesen.

Melisse-Team, Dresden

Paul: Behinderung und Sexualität

Menschen mit Behinderung haben auch Sex.

Menschen mit Behinderung sind sexuelle Wesen.

Aber die Gesellschaft sieht die Menschen mit Behinderung als a-sexuell.

A-Sexuell bedeutet:

Ein Mensch hat keine sexuellen Bedürfnisse.

Der Mensch interessiert sich nicht für Sexualität.

Eltern erziehen ihre Kinder mit Behinderung oft a-sexuell.

Es fehlt sexuelle Bildung für Menschen mit Behinderung.

Wir denken:

Sex macht normal.

Menschen mit Behinderung dürfen essen.

Und Menschen mit Behinderung dürfen schlafen.

Das sind Grund-Bedürfnisse.

Sex ist auch ein Grund-Bedürfnis.

Aber Menschen mit Behinderung dürfen keinen Sex haben.

Das nehmen wir nicht hin!

Inklusion ist:

Wenn Menschen mit Behinderung auch sexuelle Wesen sein dürfen.

Wir benutzen den Satz:

„Menschen, die behindert werden“.

Denn darum geht es im Bereich Sexualität:

Um die Haltung der Gesellschaft.

Ein Mensch ist nicht behindert.

Sondern der Mensch wird im Alltag von anderen behindert.

Yvonne: Über unser Projekt

MELiSSE heißt:

MEine Liebe und Selbst-Bestimmte SExualität.

Die Melisse ist natürlich auch eine Pflanze.

Sie hilft gegen Regel-Schmerzen.

Das passt also gut.

Es gibt vier Projekt-Teile.

Wie die vier Blätter der Melisse.

1. Projekt-Teil:

Wir bieten Veranstaltungen in Sachsen an.

Zum Beispiel bieten wir Schulungen bei Einrichtungen an.

Wie bei der Hoch-Schule Görlitz.

Und wir bieten Gruppen-Schulungen für Menschen mit Behinderung an.

Wir sprechen dort über Partnerschaft, Sexualität und Verhütung. 

2. Projekt-Teil:

Wir bieten Sprechstunden an.

Wir gehen zu den Menschen, die behindert werden.

Oder die Menschen kommen zu uns.

3. Projekt-Teil:

Wir bauen eine Partner-Vermittlung für Menschen mit Behinderungen auf.

Die Partner-Vermittlung heißt Schatz-Kiste.

Die Schatz-Kiste ist wie ein Netz-Werk in ganz Sachsen.

Die Schatz-Kiste verbindet Orte und Menschen in Sachsen.

Das ist eine Partner-Vermittlung im Internet.

Hier suchen Menschen, die behindert werden, eine Partnerin oder einen Partner.

Die Einrichtungen vor Ort betreiben die Schatz-Kiste.

In den Groß-Städten gibt es viele Einrichtungen und viele Mit-Arbeiter.

Deswegen funktioniert die Schatz-Kiste in den Groß-Städten gut.

Auf dem Land läuft es noch nicht so gut.

Hier brauchen wir mehr Vernetzung.

4. Projekt-Teil:

Wir arbeiten mit Angehörigen der Menschen mit Behinderung.

Bisher erreichen wir die Angehörigen aber schlecht.

Wir suchen jetzt den Kontakt über die Förder-Schulen.

Paul:Über unsere Web-Seite

Unsere Web-Seite ist auch in Leichter Sprache.

Und wir geben Kontakte zu Sexual-Assistenten heraus.

Sexual-Assistenz ist ein Beruf.

Sexual-Assistenten begleiten Menschen beim Sex.

Sie unterstützen Menschen mit Behinderung.

Oder sie unterstützen ältere Menschen.

Einen Sexual-Assistent zu finden ist oft schwierig.

Aber auf unserer Internet-Seite gibt es eine Sachsen-Karte.

Auf dieser Karte ist alles zu sehen,

was mit sexueller Bildung in Sachsen zu tun hat:

  • Sexual-Assistenten
  • Schwangerschafts-Beratung
  • Information über Homo-Sexualität

Wir hoffen, dass viele Menschen die Karte benutzen.

Und uns auch nachher sagen:

Welche Angebote sind gut?

Und was fehlt bisher noch?

Frau Seubert: Über pro familia

Das Projekt gehört zum Verband pro familia.

Wir kennen uns aus im Bereich Sexualität.

Wir schauen auf die Menschen.

Und wir schauen auf die Rechte der Menschen.

Das ist für uns Inklusion

Paul: Welche Hindernisse gibt es bei der Arbeit?

Ich bin durch mein Studium in das Projekt gekommen.

Ich habe mich für Sexualität und Behinderung interessiert.

So kam ich zu Frau Seubert und zu pro familia.

Ich habe meine Abschluss-Arbeit geschrieben und gemerkt:

Schon vor 70 Jahren war das Thema Sexualität und Behinderung aktuell.

An den Universitäten weiß man schon lange:

Menschen, die behindert werden, sind sexuelle Wesen.

Darüber gibt es Bücher.

Aber warum kommt dieses Wissen nicht in der Praxis an?

Warum wissen viele Fach-Kräfte nichts über Sexualität und Behinderung?

Warum wissen die Träger nichts über Sexualität und Behinderung?

Und warum haben viele Angehörige Angst vor dem Thema?

Angehörige von Frauen mit Behinderungen haben oft Angst,

dass die Frau schwanger wird.

Und Angehörige von Männern mit Behinderung glauben,

dass der Mann keine Partnerschaft führen kann.

Die Fach-Kräfte sind oft un-sensibel.

Oder es fehlt die sexuelle Kompetenz.

Yvonne:

Es gibt auch eine rechtliche Angst.

Viele Fach-Kräfte fragen sich:

Wie weit darf ich gehen?

Darf ich assistieren?

Das bedeutet:

Wenn ein Mensch seine Hand nicht bewegen kann,

darf ich dann meine Hand benutzen?

Damit der Mensch sich selbst befriedigen kann.

Und darf ein Sexual-Assistent in die Einrichtung kommen?

Da gibt es viele offene Fragen.

Frau Seubert:Unsere Herangehens-Weise

Wir haben ein sehr offenes Format.

Wir entscheiden immer vor Ort: was machen wir.

Je nach Situation und Ziel-Gruppe haben wir verschiedene Möglichkeiten.

Was heißt Inklusion?

Inklusion bedeutet:

Alle, die da sind, müssen sich öffnen.

Inklusion braucht breite Beteiligung.

Zum Beispiel:

Beratungen zu einem Thema müssen auch für Menschen mit Behinderung offen sein. 

Paul:

Wir vernetzen uns mit vielen Stellen.

Wir erzählen vielen Menschen von unserem Angebot:

  • den Verbänden und Trägern in Sachsen
  • den Sexual-Arbeitern
  • den Volks-Hoch-Schulen
  • den Behinderten-Beauftragten
  • den AIDS-Beratungs-Stellen
  • den Schulen

Das Interesse am Thema ist sehr groß.

Yvonne:

Wie können leider nicht alles leisten,

was von uns erwartet wird.

Aber wir bieten ein Netzwerk zum Aus-Tauschen.

Und geben Wissen an die Fach-Kräfte weiter.

Paul: Über politische Aktivität

Wir sind auch politisch aktiv.

Das Prostituierten-Schutz-Gesetz ist für viele Menschen mit Behinderung ein Problem.

Prostitution bedeutet:
Jemand wird für Sex bezahlt.

Das Gesetz hat Folgen für Sexual-Assistenten.

Denn Sexual-Assistenz ist auch Prostitution.

Weil die Sexual-Assistenten für ihre Arbeit Geld bekommen.

Das Prostituierten-Schutz-Gesetz sagt:

Sie dürfen nicht in Dresden arbeiten.

Wer Sexual-Assistenz nutzen will,

muss deshalb wegfahren.

An einen Ort,

wo die Prostitution erlaubt ist.

Aber die Fahrt ist teuer.

Deshalb haben wir den Parteien geschrieben.

Aber wir haben noch keine Antwort bekommen

Frau Seubert:

Wir wollen einen Antrag einreichen.

Damit Menschen über dieses Gesetz nachdenken.

Wichtig ist auch:

Unser Projekt arbeitet landes-weit.

Am Ende sollen alle Landes-Verbände von pro familia einen Nutzen von unserer Arbeit haben. 

Paul:

Unser Projekt läuft 3 Jahre lang.

Natürlich ist das zu wenig Zeit,

um das Thema vollständig zu bearbeiten.

Deshalb planen wir lang-fristig.

Damit wir wirklich jede Region erreichen.

Website: www.profamilia.de/melisse